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Ein Bach darf wieder Bach sein: Wie unsere Gewässer lebendiger werden

Gewässerschulung in den Landkreisen Lichtenfels und Bamberg zeigt, wie naturnahe Lösungen funktionieren – und warum kleine Maßnahmen viel bewirken können

Ebensfeld/Bad Staffelstein/Gundelsheim.
Wie wird aus einem technisch geprägten Bach wieder ein lebendiger Lebensraum? Und braucht es dafür immer große Bauprojekte? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 32 Mitarbeitende aus bayerischen Naturparken sowie Rangerinnen und Ranger bei einer zweitägigen Gewässerschulung in den Landkreisen Lichtenfels und Bamberg.

Organisiert wurde die Schulung gemeinsam vom Landschaftspflegeverband Landkreis Lichtenfels, Flussparadies Franken, dem Projekt „Auf zu lebenswerten Bächen“ der Regierung von Oberfranken und Fluss. Frei. Raum. Neben fachlichen und rechtlichen Grundlagen standen vor allem praktische Möglichkeiten einer naturnahen Gewässerentwicklung auf dem Programm.

Von der Theorie direkt ans Wasser

Dass ein Bach mehr ist als ein Wasserlauf, wurde bei einer Exkursion an der Döberten bei Stublang deutlich. Dort konnten die Teilnehmenden verschiedene Gewässerstrukturen direkt vor Ort betrachten und sich mit der vielfältigen Welt der Wasserorganismen beschäftigen.

Die Döberten ist dabei ein besonders schönes Beispiel aus unserer Region: Mehrere nicht mehr benötigte Wehre wurden im Auftrag der Stadt Bad Staffelstein zurückgebaut. Dadurch kann der Bach wieder frei fließen und Fische können sich ungehindert bewegen.

Dabei geht es um einen Perspektivwechsel: Weg von massivem Uferverbau und starren Stahl- und Betonlösungen, hin zu Maßnahmen, die sich stärker an den natürlichen Prozessen eines Gewässers orientieren. Natürliche Strukturen schaffen unterschiedliche Strömungen, Rückzugsräume und Lebensbedingungen für Fische und andere Wasserlebewesen.

Am zweiten Tag wurde selbst Hand angelegt

Am Leitenbach in Gundelsheim ging es schließlich ganz praktisch weiter. Unter Anleitung des Gewässerexperten Georg Hermannsdorfer und mit Unterstützung des Wasserwirtschaftsamtes Kronach arbeiteten die Teilnehmenden direkt im Gewässer.

Ufer und eine Insel wurden bepflanzt, um für mehr Beschattung und eine Stabilisierung der Ufer zu sorgen. Außerdem wurde ein Fischpass am Wehr mit einfachen Maßnahmen abgedichtet und von Schlamm befreit. Damit sollte wieder ein durchgängiger Wanderweg für Fische und andere Gewässerorganismen entstehen.

Auch Weidenfaschinen und Weidengeflecht kamen zum Einsatz. Die Teilnehmenden lernten dabei, dass Ufer mit lebenden Bauweisen und sogar mit Schnittabfällen gesichert und gleichzeitig neue Strukturen im Gewässer geschaffen werden können.

Naturschutz funktioniert nur gemeinsam

Eine wichtige Erkenntnis der Schulung: Naturnahe Gewässerentwicklung funktioniert nicht im Alleingang. Gerade bei Gewässern III. Ordnung ist die frühzeitige Zusammenarbeit von Kommunen, Wasserwirtschaft, Naturschutz und Fischerei entscheidend.

Und noch etwas macht Mut: Ökologische Verbesserungen müssen nicht immer groß und teuer sein. Auch innerhalb von Ortschaften können mit überschaubaren Maßnahmen wertvolle Strukturen geschaffen werden. Gleichzeitig brauchen naturnahe Lösungen Zeit, um sich zu entwickeln und ihre Wirkung zu entfalten.

Das Wissen aus der Schulung soll nun über die Landkreise Lichtenfels und Bamberg hinausgetragen werden. Was am Leitenbach gemeinsam gelernt und praktisch ausprobiert wurde, soll auch in andere Naturparke und Regionen weitergegeben werden. So kann aus einzelnen Maßnahmen ein Impuls für viele weitere lebendige Bäche entstehen.

Ein Bach braucht vor allem eines: Raum

Die Beispiele aus Lichtenfels und Bamberg zeigen, dass Gewässerentwicklung nicht zwangsläufig bedeutet, große Maschinen aufzufahren und Millionenprojekte zu starten. Manchmal beginnt Veränderung auch mit dem Rückbau eines nicht mehr benötigten Wehrs, einer neu bepflanzten Uferzone oder einem von Schlamm befreiten Fischpass.

Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieser Schulung: Ein Bach darf wieder Bach sein.


📸 Fotos

Foto 1: Döberten bei Bad Staffelstein/Stublang – der Bach kann wieder frei fließen.
Bildquelle: WWF/Sonja Greimel. 492_FPF_Gewässerschulung Oberma…

Foto 2: Leitenbach in Gundelsheim – dort wurden ingenieurbiologische Methoden zur Gewässerverbesserung und Ufersicherung vermittelt.
Bildquelle: WWF/Sonja Greimel.

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