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Geschichten, die gehört werden müssen.

Mobbing kann einen Menschen verändern. Manche Wunden sieht man nicht – und manche trägt man jahrelang mit sich.

Mit „Gemeinsam gegen Mobbing“ möchte Herzenssache Obermain einen Ort schaffen, an dem Menschen ihre Erfahrungen teilen können, an dem zugehört wird und an dem niemand das Gefühl haben muss, allein zu sein.

Denn jede Geschichte verdient es, gehört zu werden.

Warum wir darüber sprechen

Mobbing hinterlässt Spuren.

Mobbing beginnt nicht immer mit großen Worten. Manchmal sind es kleine Sticheleien, Ausgrenzung, Gerüchte oder einfach das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Was für Außenstehende vielleicht wie eine Kleinigkeit aussieht, kann für Betroffene zu einer jahrelangen Belastung werden.

Meine Geschichte

Ich weiß, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören.

Ein Umzug, eine neue Schule und plötzlich war alles anders. Aus einem Kind mit vielen Freunden wurde ein Außenseiter. Mobbing begleitete mich durch fast meine gesamte Schulzeit.

Wenn Ausgrenzung Spuren hinterlässt

Die Erfahrungen aus meiner Kindheit verschwanden nicht einfach mit dem Schulabschluss. Sie begleiteten mich in meine Jugend und mein Erwachsenenleben und beeinflussten lange, wie ich mich selbst und meinen Platz bei anderen Menschen sah.

Stark geworden – aber nicht unverwundbar

Erst durch Menschen, die mir über viele Jahre gezeigt haben, dass ich wichtig bin und so angenommen werde, wie ich bin, konnte ich langsam neues Vertrauen entwickeln. Heute weiß ich: Mein Wert hängt nicht davon ab, ob andere mich akzeptieren.

Meine Geschichte – vom Außenseiter zur eigenen Stimme

Ich war einmal ein Kind, das viele Freunde hatte. Dann kam ein Umzug – und plötzlich war alles anders.

Was folgte, waren Jahre voller Ausgrenzung, Hänseleien und Gewalt. Jahre, in denen ich immer wieder versuchte, irgendwo dazuzugehören und irgendwann begann, mich selbst zurückzuziehen.

Heute weiß ich, dass diese Erfahrungen Spuren hinterlassen haben. Aber ich weiß auch: Sie bestimmen nicht, wer ich bin.

Wo alles begann

Ich war noch ein kleines Kind, als sich mein Leben zum ersten Mal grundlegend veränderte.

Vor unserem Umzug hatte ich Freunde, fühlte mich wohl und hatte meinen Platz. Doch nach dem Umzug in einen anderen Ort war plötzlich alles anders. Ich war nicht mehr das Kind, das einfach dazugehört. Ich wurde zur Außenseiterin.

Plötzlich war ich die Außenseiterin

Spätestens mit meiner Einschulung änderte sich mein Alltag. Ich war nicht das Kind mit den modernsten oder teuersten Kleidern. Wir waren keine reiche Familie, und manches meiner Kleidung stammte sogar noch von meiner Mutter.

Auch musikalisch war ich anders als die anderen. Während Techno, Rap und Hip-Hop immer mehr Einzug hielten, konnte ich damit wenig anfangen.

Für mich waren diese Unterschiede damals einfach Dinge, die zu mir gehörten. Für andere wurden sie zum Grund, mich auszugrenzen.

Wenn Ausgrenzung weh tut

Es blieb nicht bei Blicken, Sprüchen oder dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Ich wurde in den Pausen geschlagen. Ich wurde immer wieder ausgegrenzt und gedemütigt.

Besonders schmerzhaft waren für mich die Situationen, in denen ich versucht habe, selbst auf andere zuzugehen. Wenn ich Mitschülerinnen und Mitschüler zu meinem Geburtstag eingeladen habe, sagten alle zu. Ich freute mich darauf, nicht allein zu sein.

Am Ende kam niemand.

Nicht einer.

Heute kann ich darüber sprechen. Damals war es einfach nur schrecklich.

Wenn die eigenen Worte nicht mehr herauskommen

In dieser Zeit begann ich auch zu stottern. Ich hatte so vieles zu sagen, aber oft bekam ich die Worte einfach nicht heraus.

Ich habe damals manchmal gedacht: Wenn ich alles, was ich sagen wollte, hätte aufschreiben können, wäre ich wahrscheinlich schneller fertig gewesen, als wenn ich versucht hätte, es auszusprechen.

Immer wieder kamen neue Mitschülerinnen und Mitschüler in die Klasse. Ich versuchte jedes Mal aufs Neue, Anschluss zu finden. Doch auch diese Versuche gingen immer wieder nach hinten los.

Irgendwann begann ich, mich immer mehr zurückzuziehen. Aus dem Kind, das früher viele Freunde hatte, wurde ein Mensch, der lieber für sich blieb.

Ich wurde zum Einsiedler – nicht, weil ich so sein wollte, sondern weil ich irgendwann gelernt hatte, dass es weniger weh tut, wenn man niemanden mehr an sich heranlässt.

Und dann wurde ich erwachsen

Mit 18 Jahren hielt ich es in dem Ort, in dem ich aufgewachsen war, nicht mehr aus. Ich musste raus, weg von all dem, was mich so viele Jahre geprägt hatte.

Ich zog nach Augsburg. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, mein Leben selbst in die Hand nehmen und irgendwo neu anfangen zu können.

Aber man nimmt sich selbst und seine Erfahrungen natürlich mit. Was in der Kindheit passiert ist, verschwindet nicht einfach, nur weil man den Wohnort wechselt.

Der Wunsch, irgendwo dazuzugehören

Nach der Hauptschule begann ich drei verschiedene Ausbildungen – und brach alle wieder ab. Nicht, weil ich nicht arbeiten wollte oder keine Ziele hatte. Ich kam einfach mit Gleichaltrigen nicht zurecht.

Auch später stellte ich fest, dass ich mich mit Menschen, die deutlich jünger oder gleichaltrig waren, oft schwerer tat. Wenn ich Freundschaften hatte, waren es meist Menschen, die älter oder jünger waren als ich.

Heute verstehe ich besser, warum das vielleicht so war: Ich hatte früh gelernt, mich selbst zu schützen und Abstand zu halten.

Heute frage ich mich, wie viel davon mit den Erfahrungen meiner Kindheit zu tun hatte.

Du brauchst Hilfe?

Wenn du selbst von Mobbing betroffen bist, musst du damit nicht allein bleiben. Manchmal ist der erste Schritt einfach, mit jemandem darüber zu sprechen.

Hier findest du Anlaufstellen, die dir weiterhelfen können:

Nummer gegen Kummer

116 111

✓ kostenlos und anonym
✓ für Kinder und Jugendliche
✓ Montag–Samstag, 14–20 Uhr
✓ auch Beratung per Chat und Mailstenlos

Telefon Seelsorge

116 123

✓ kostenlos und anonym
✓ rund um die Uhr erreichbar
✓ Telefon, Chat und Mail möglich
✓ für Menschen in schwierigen Situationen

WEISSER RING – Opfer-Telefon

116 006

✓ kostenlos und anonym
✓ täglich von 7–22 Uhr erreichbar
✓ bundesweite Hilfe für Opfer von Straftaten
✓ Beratung und Unterstützung

Staatliche Schulberatung Bayern

Mobbing & Cybermobbing

✓ kostenlos und vertraulich
✓ für Schülerinnen und Schüler
✓ für Eltern und Lehrkräfte
✓ Beratung bei Mobbing und Cybermobbing