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Schlagwort: Efferltermühle

  • Wenn Menschen sagen: „Das können wir nicht einfach so lassen“

    Foto: Neue Effeltermühle eG Das Vorstands- und Aufsichtsratsteam der Neuen Effeltermühle

    v.l. Ludwig Weber, Lars Hofmann, Burkhard Fischer Petersohn, Doris Faul, Gerhard Appel, Silke Fischer Petersohn, Eva Wicklein, Thomas Helbig, Sandra Wolf, Susanne Grebner

    Die Geschichte hinter der Neuen Effeltermühle

    Manchmal beginnt eine große Geschichte ganz unspektakulär.

    Nicht mit einem fertigen Konzept. Nicht mit einem Businessplan. Und schon gar nicht mit dem Gedanken, irgendwann einmal eine 500 Jahre alte Mühle zu besitzen.

    Sondern mit einem gemeinsamen Wochenende, einer Runde Menschen, die sich gut kennen – und dem Satz: „Das können wir doch nicht einfach so lassen.“

    Genau so begann die Geschichte der Neuen Effeltermühle.

    Vor rund zwei Jahren verbrachten fünf Menschen wie schon so oft gemeinsam Zeit an der Mühle. Die Effeltermühle war ihnen längst vertraut. Ein Ort für Familienwochenenden, zum Zusammensein und zum Abschalten.

    Doch diesmal war etwas anders.

    Die evangelische Kirche wollte die Mühle verkaufen. Das Gebäude war wegen notwendiger Brandschutzmaßnahmen bereits seit einigen Jahren geschlossen. Eine Sanierung durch die Kirche war nicht vorgesehen.

    Für die fünf Freunde war der Gedanke schwer auszuhalten, dass dieser besondere Ort vielleicht einfach verschwindet.

    Also entstand aus einer zunächst spontanen Idee ein konkreter Plan: Warum sollten sie die Mühle nicht selbst erhalten?

    Sie entwickelten ein Konzept und stellten es der evangelischen Kirche vor. Und das Konzept überzeugte.

    Denn es ging nicht darum, die Mühle einfach privat zu übernehmen. Die Idee war von Anfang an größer: Die Mühle sollte gemeinschaftlich getragen werden und weiterhin der Region zur Verfügung stehen – insbesondere auch als Ort für Jugendliche.

    Aus einer Idee wurde eine Genossenschaft

    Was danach passierte, klingt im Rückblick fast unglaublich.

    Innerhalb weniger Monate wurde aus der Idee ein konkretes Vorhaben. Menschen wurden gesucht, die sich beteiligen, mitgestalten und mit anpacken wollten.

    Rund ein Vierteljahr später wurde eine Genossenschaft gegründet.

    Und etwa ein Jahr nach jenem ersten gemeinsamen Wochenende war es tatsächlich so weit: Der Kaufvertrag für die Mühle wurde unterschrieben.

    Dass dieses Projekt überhaupt funktionieren konnte, lag auch an den unterschiedlichen Fähigkeiten der Initiatoren. Architektur, Betriebswirtschaft, Handwerk sowie Team- und Organisationsentwicklung kamen zusammen.

    Jeder brachte etwas anderes mit – und genau das scheint ein Teil des Erfolgsrezepts zu sein.

    Ein Ort, an dem der Kopf zur Ruhe kommt

    Foto: Neue Effeltermühle eG

    Was macht die Effeltermühle eigentlich so besonders?

    Die Antwort darauf ist ganz unterschiedlich – je nachdem, wen man fragt.

    Für viele ist es zunächst die Umgebung. Ein Ort mitten in der Natur, an dem der Alltag plötzlich weit weg scheint.

    Eine der schönsten Beschreibungen aus unserem Gespräch war sinngemäß: Man fährt den Berg zur Mühle hinunter und lässt dabei den Alltag hinter sich.

    Der Kopf ist voll, die To-do-Liste lang – und dann ist man plötzlich da.

    An der Mühle.

    Und irgendwie ist all das für einen Moment weg.

    Doch es ist nicht nur die Ruhe, die diesen Ort besonders macht. Da ist auch das rund 500 Jahre alte Gebäude selbst, das historische Sägewerk, das Mühlrad und die Geschichte des Ortes.

    Und vor allem: die Menschen, die diesen Ort seit Jahrzehnten geprägt haben.

    Die Mühle war lange Zeit ein Ort, an dem Jugendliche Gemeinschaft erleben und Zeit in der Natur verbringen konnten. Genau diese Funktion soll erhalten bleiben.

    Gemeinschaft statt „Das soll mal jemand machen“

    Vielleicht steckt genau darin die eigentliche Idee hinter der Neuen Effeltermühle.

    Es gibt Orte, die uns wichtig sind – und trotzdem gehen sie irgendwann verloren, weil die bisherigen Strukturen sie nicht mehr tragen können.

    Die Initiatoren der Neuen Effeltermühle wollten das nicht einfach hinnehmen.

    Ihre Idee: Wenn etwas wichtig ist, können Menschen sich zusammentun und selbst Verantwortung übernehmen.

    Nicht darauf warten, dass jemand anderes es richtet.

    Sondern gemeinsam sagen:

    Wir machen das.

    Und an der Mühle zeigt sich bereits, was entstehen kann, wenn Menschen sich mit einem Ort verbunden fühlen und gemeinsam anpacken.

    Viel geschafft – und noch lange nicht fertig

    Seit Mai ist das Mühlenhaus wieder geöffnet.

    Inzwischen kümmern sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort um die Gäste, das Haus, die Küche und den täglichen Betrieb. Die Genossenschaft selbst konzentriert sich unter anderem auf Bauprojekte, Finanzen und die weitere Entwicklung.

    Fertig ist die Mühle deshalb noch lange nicht.

    Die bisherige Sanierung hat unter anderem neue Wasserleitungen, Elektrik und Bäder umfasst. Die gute Bausubstanz des historischen Gebäudes hat dabei geholfen – schließlich hatte die evangelische Kirche bereits in den 1980er-Jahren umfangreich in die Mühle investiert.

    Nun stehen nach und nach weitere Gebäude und Projekte auf der Liste.

    Denn die Rechnung muss natürlich auch aufgehen: Mitarbeiter wollen bezahlt, laufende Kosten getragen und weitere Sanierungsmaßnahmen finanziert werden.

    Es ist also ein Projekt, das Schritt für Schritt wächst.

    Eine Mühle voller Leben

    Und Leben ist inzwischen wieder eingezogen.

    Für dieses Jahr sind rund 58 Gruppen an der Mühle zu Gast. Viele Wochenenden sind bereits vergeben.

    Auch eigene Veranstaltungen gehören dazu.

    Für den 29. November ist ein weihnachtlicher Nachmittag an der Mühle geplant. Im kommenden Jahr stehen unter anderem wieder der Jazz-Frühschoppen am 1. Mai, das Mittsommerfest und das alle zwei Jahre stattfindende Apfelfest auf dem Programm.

    Dazu kommen besondere Angebote wie Retreats – unter anderem ein zweitägiges Strick-Retreat im Dezember.

    Die Neue Effeltermühle ist damit wieder das, was sie nach dem Wunsch ihrer Initiatoren sein soll:

    Ein Ort für Menschen.

    Ein Ort zum Zusammenkommen, zum Abschalten, zum Feiern, Lernen, Arbeiten, Erleben – und vielleicht manchmal auch einfach zum Durchatmen.

    Und vielleicht ist genau das die schönste Geschichte daran

    Eine 500 Jahre alte Mühle wurde nicht einfach gerettet, weil fünf Menschen zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

    Sie wurde gerettet, weil Menschen sich entschieden haben, Verantwortung zu übernehmen.

    Weil aus einem Gedanken ein Konzept wurde.

    Aus dem Konzept eine Genossenschaft.

    Und aus der Genossenschaft wieder ein lebendiger Ort.

    Vielleicht ist das genau das, was eine Herzenssache ausmacht.

    Nicht darauf zu warten, dass jemand anderes etwas tut.

    Sondern irgendwann zu sagen:

    „Das können wir nicht einfach so lassen.“

    Und dann einfach anzufangen.